Hintergrund

Was ist Schatzsuche?

Schatzsuche / Treasure Hunt ist ein verhaltenstherapeutisches Computerspiel. Es  ist auf lerntheoretischen Grundlagen aufgebaut und richtet sich an 9- bis 13 jährige Kinder, die wegen unterschiedlicher Indikationen in verhaltenstherapeutischer Behandlung sind. Schatzsuche enthält zahlreiche kognitiv-verhaltenstherapeutische Elemente, die auf verschiedene gut evaluierte Therapieprogramme zurückgehen (Kendall 1990, Nelson & Finch 1996, Barrett 2000).

Für wen wurde Schatzsuche entwickelt?

Schatzsuche wurde entwickelt, um Psychotherapeuten in ihrer Arbeit mit 9-13jährigen Kindern zu unterstützen. Das Spiel liefert Beispiele für verschiedene kognitiv-verhaltenstherapeutische Konzepte, an die der Therapeut auch im weiteren Verlauf der Behandlung anknüpfen kann, und zwar unter Verwendung ‚traditioneller’ therapeutischer Methoden wie Rollenspiel, Zeichnungen, Gespräch usw. Auch kann Schatzsuche dem Therapeuten helfen, die Therapiesitzung zu strukturieren, indem er anhand gewisser Aufgaben im Spiel die dahinter liegenden therapeutischen Konzepte erklärt. Zudem lässt Schatzsuche sich als Verstärker innerhalb der Therapiestunde verwenden (‚wenn du jetzt gut mitmachst, spielen wir die letzten zehn Minuten am Computer!’).

Was bietet Schatzsuche nicht?

Schatzsuche ist kein Selbsthilfe-Spiel. Ein Kind, das Schatzsuche ohne die Kommentare einer Fachperson spielt, wird das Spiel vielleicht reizvoll finden, aber den Tiefgang und die grundlegende Bedeutung der darin vorgestellten Konzepte sowie den Bezug zu seiner eigenen Problematik vermutlich nicht oder nur ungenügend erfassen. Wenn ein Kind, dem der Therapeut das Spiel zeigt, nur gelangweilt sagt „ach, das kenne ich längst!“, ist der Überraschungseffekt weg und kann Schatzsuche nicht mehr optimal in der Psychotherapie eingesetzt werden. Es ist daher im Interesse der Therapeuten, das Spiel nicht leichtfertig aus der Hand zu geben, sondern es der Fachgemeinschaft vorzubehalten. 

Kann Schatzsuche eine Psychotherapie ersetzen?

Psychotherapeutische Computerspiele ohne begleitende Psychotherapie sind kein ausreichendes Mittel, eine kindliche Störung zu behandeln. Der Mehrwert eines therapeutischen Computerspiels kommt auch nur zum Tragen, wenn dieses Spiel von einer Fachperson eingesetzt wird – ‚Zauberei’ in Form eines Computerspiels, das kindliche Probleme einfach so zum Verschwinden bringt, gibt es nicht. ‚Schatzsuche’ erleichtert die therapeutische Arbeit, indem es passende Aufgaben liefert und die therapeutische Sitzung strukturiert, aber die Erarbeitung der grundlegenden Konzepte muss weiterhin in erster Linie durch den Therapeuten erfolgen. Nur dann können die entsprechenden Aufgaben in ‚Schatzsuche’ optimal  eingesetzt werden.

Fachliteratur:

Barrett, P., Lowry-Webster H., Turner, C. (2000). Friends for Children Workbook. Bowen Hills, Australian Academic Press.

Brezinka, V. (2007). "Schatzsuche - ein Computerspiel zur Unterstützung der kognitiv-verhaltenstherapeutischen Behandlung von Kindern." Verhaltenstherapie 17(3): 191-194.

Brezinka, V. and L. Hovestadt (2007). Serious games can support psychotherapy of children and adolescents. USAB 2007, Lecture Notes in Computer Science 4799. A. Holzinger. Berlin, Springer: 359-366.

Kendall, P. C. (1990). Coping Cat Workbook, Available from P.C. Kendall, Department of Psychology, Temple University, Philadelphia, PA 19122.

Nelson, W. M. and A. J. Finch (1996). 'Keeping Your Cool': Cognitive-behavioral therapy for aggressive children: Therapist manual. Ardmore, PA, Workbook Publishing.

Stallard, P. (2003). Think good - feel good. A cognitive behaviour therapy workbook for children and young people. Chichester, John Wiley & Sons, Ltd.